Bild von Buch zur Illustration einer Buchrezension

Ein klassischer Abenteuerroman ist „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ sicherlich nicht, auch wenn ziemlich spät dann doch noch die Segel gesetzt werden. Mit Alma Whittaker schuf Autorin Elizabeth Gilbert aber eine besondere Forscherin, die in der Erkundung der Welt der Moose und dem Wesen der Menschen ihr Aufgabengebiet findet.

Vom eigenwilligen Kind zur tatkräftigen Frau: „Das Wesen der Dinger und der Liebe“ von Elizabeth Gilbert widmet sich vom ersten bis zum letzten Tag dem Leben der Alma Whittaker. Geboren im Jahr 1800 breitet sich vor dem Leser die Biografie einer Frau aus, die sich ganz der Botanik verschrieben hat, aber auch immer auf der Suche der Liebe und Ergründung des menschlichen Wesens ist.

Forschungsobjekt Natur

Ihr Interesse an Pflanzen ist Alma schon in die Wiege gelegt. Vater Henry baute in Philadelphia einen erfolgreichen Pflanzenhandel auf. Mutter Beatrix förderte den Wissensdurst ihrer Tochter, die zu einer hochgebildeten jungen Frau heranwächst. Die Erforschung der Natur sah sie als ihre Aufgabe an.

Das heißt aber nicht, dass Alma nicht, dass Alma im Elfenbeinturm lebt. Voller Tatendrang kümmert sie sich um das väterliche Unternehmen und steht Freunden bei. Doch die Erfüllung ihrer Wünsche und Begierden bleiben dabei auf der Strecke. Sie scheinen sich erst im Alter von fast 50 Jahren zu erfüllen. Die kurze Ehe mit dem jungen Ambrose wird allerdings zu einem Desaster. Dieses Unglück und der Tod des Vaters geben ihrem Leben allerdings eine neue Wendung. Auf den Spuren ihres Ehemanns reist Alma, die Philadelphia zuvor kaum verlassen hat, nach Tahiti und lässt sich schließlich in Holland, der Heimat ihrer Mutter nieder.

Es gibt eine Ebene, auf der die Trauer so tief wird, dass sie gar nichts mehr von Trauer an sich hat. Der Schmerz ist so massiv, dass der Körper ihn nicht mehr zu empfinden mag. Die Trauer verätzt sich selbst, vernarbt, verhindert jede weitere Empfindung. Eine Solche Taubheit ist wie eine Gnade.

Elizabeth Gilbert: Vom Wesen der Dinger und der Liebe, Berlin Verlag 2013, S. 418

Ein wichtige Rolle in dem Roman spielt auch Almas Stiefschwester Prudence. Die Schwestern haben ein distanziertes Verhältnis, dennoch setzt Prudence wichtige Impulse. Durch sie wird das Thema der Sklavenhaltung eingebracht. Durch ein großes Opfer kommt auch die Fragestellung auf, warum ein Mensch selbstlos handelt.

Mal abgesehen davon, dass man nach dem Lesen des Buches einen ganz anderen Blick auf die scheinbar unscheinbaren Moose wirft, schließt man ziemlich schnell die Hauptdarstellerin ins Herz. Ihre zupackende Art, den Mut in einem relativ fortgeschrittenen Alter alles hinter sich zu lassen und trotz mancher Enttäuschung am Ende doch ihren Frieden zu finden, rührt ungemein und hat etwas tröstliches.

Ungewöhnlich ist, dass der Fokus auf den mittleren Jahren einer Frau liegt, die in der Literatur sonst eher weniger beachtet werden. Auch das Bild von Tahiti, das die Autorin zeichnet, ist fernab jeder Romantik. Das Leben dort scheint nicht nur der Heldin äußerst fremd und ein Stück weit trostlos zu sein. Nicht zuletzt ist auch der Blick auf die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, in der wissenschaftliche Erkenntnisse sich gegen die Religion behaupten, interessant.

Fazit: „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ ist ein faszinierende Buch über eine ungewöhnliche Frau, das nicht nur einen Einblick in die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts gibt, sondern

Info: Hier spricht Elizabeth Gilbert über ihr Buch: https://binged.it/3JbTbWd

Elizabeth Gilbert: Vom Wesen der Dinge und der Liebe, Berlin Verlag 2013

Von Moosen und unerfüllter Begierde: Das Wesen der Dinge und der Liebe

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